Künstlich «Besonnen»: Gesund?
Autor/in: Stephan Freiburghaus (Chefredakteur «Leben & Gesundheit»)
Ausgabe: Leben und Gesundheit, Juli/August 2022 - Sonne
Solarium, Infrarotstrahlen oder Lichttherapie – letztlich geht es uns dabei darum, das fehlende Sonnenlicht auszugleichen. Doch wie «nützlich» und gesund sind diese Ersatzsonnen wirklich?
Lichttherapie mittels Tageslichtlampen
Nichts Neues unter der Sonne
Heilung durch Licht ist keine neue Erfindung. Ob Assyrer, Babylonier oder Ägypter – praktisch alle großen Zivilisationen erkannten die positive Wirkung des Lichtes auf die Gesundheit. So war die griechische Stadt Heliopolis, die «Stadt der Sonne», bekannt für ihre Heil- und Lichträume. Die Fenster waren mit speziell gefärbten Tüchern bedeckt, und man glaubte, dass die verschiedenen Farben unterschiedliche Heilkräfte bewirkten.
Interessant dabei ist, dass die Bibel übermittelt, dass bei der Schöpfung, also noch vor der Sintflut, ein Wassergürtel über dem Himmel war. Das bedeutete, dass die Sonnenstrahlen die Erde durch das Wasser gefiltert erreichten – vermutlich ein Farbspektakel mit wunderbarem Klima.
Zu allen Jahrhunderten wurde mit Licht experimentiert. So war es beispielsweise Neils Ryberg Finsen, der 1903 den Nobelpreis für seine Arbeit zur Behandlung von Hauttuberkulose mit ultraviolettem Licht erhielt. Oder Dr. Auguste Rollier, der im selben Jahr eine Klinik für Heliotherapie (Sonnentherapie) in Leysin in den Schweizer Alpen eröffnete. Er behandelte sehr effektiv Patienten mit allen Arten von Krankheiten, insbesondere solche mit Tuberkulose. Diese wurden täglich für bestimmte Zeiträume auf ein großes Sonnendeck gefahren. Dank seiner Erfolge konnte er weitere 18 Fachkliniken eröffnen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verloren solche Therapieformen leider fast vollständig an Bedeutung – an ihre Stelle traten vor allem Antibiotika.
Gegenwart
Wie gezeigt, kannte man den therapeutischen Effekt von Licht schon seit jeher. Erstmals systematisch untersucht wurde dieser jedoch erst Anfang der 1980er-Jahre. Besonders im Fall saisonal abhängiger Depressionen – also während der Wintermonate – konnten durch Lichttherapie deutliche Erfolge nachgewiesen werden.
Hierbei werden Patienten künstlichem Licht sogenannter Tageslichtlampen ausgesetzt. Die Lichtintensität sollte zwischen 2.500 und 10.000 Lux liegen, gemessen an den Augen. Die Dauer variiert zwischen 30 Minuten und vier Stunden pro Tag. Ein antidepressiver Effekt soll bereits nach drei Tagen eintreten.
Bei nicht saisonal abhängigen Depressionen zeigte die Lichttherapie keine gleich starken Ergebnisse. In der Regel kommt weißes Licht zum Einsatz, das dem Spektrum des Sonnenlichts entspricht.
Seit der Industrialisierung halten sich Menschen zunehmend nicht mehr im Freien auf und setzen sich damit nicht mehr der nötigen Lichtmenge aus. Dabei ist normales Tageslicht – selbst bei bewölktem Himmel – mindestens so wirksam wie eine Lichttherapielampe.
👉 Fazit: Der Aufenthalt unter freiem Himmel ist nach wie vor das Beste für unsere Gesundheit und für einen ausgewogenen Hormonhaushalt.
Beachten Sie:
Heute kann man schon für wenig Geld gute Tageslichtlampen erwerben. Dabei gilt es Folgendes zu beachten:
Die Lichtintensität sollte einstellbar sein, damit die Lampe auch zum Lesen verwendet werden kann.
Sie sollte nicht flimmern, sondern gleichmäßiges, UV-freies Licht abgeben.
Die Lampe sollte stabil stehen und sich in der Neigung verstellen lassen.
Sie sollte kein Surren oder Brummen erzeugen und energieeffizient sein.
Ich selbst verwende regelmäßig eine handliche, kostengünstige Tageslichtlampe (12 × 20 cm), die bei einem Abstand von 10 cm 10.000 Lux abgibt. Zum Vergleich: Normale Zimmerbeleuchtung liegt bei etwa 300–500 Lux.
Bei einem Abstand von rund 80 cm nimmt man von einer 10.000-Lux-Lampe innerhalb von 30 Minuten eine «Tagesdosis» Licht über die Netzhaut der Augen auf. Die Augen sollten dabei offen bleiben und in die Lichtquelle schauen.
Besonders in der zweiten Nachthälfte wird das Schlafhormon Melatonin im Gehirn produziert. Zu viel Melatonin führt zu Müdigkeit, Antriebslosigkeit und depressiver Stimmung. Wird die Lichttherapie unmittelbar nach dem Aufwachen angewendet, wird die Melatoninproduktion beendet und der Stoff abgebaut – die Stimmung hellt auf.
Verbringe nicht zu viel Zeit an der Künstlichen Sonne!
Solarium
Der Erfinder
Friedrich Wolff gilt als Erfinder des Solariums. Drei Jahre lang tüftelte der deutsche Ingenieur, bis er 1975 stolz die weltweit erste «Sonnenbank» präsentieren konnte.
Sein eigentliches Ziel war es, die Stimmung der Patienten zu heben – die Bräunung der Haut war zunächst nur eine Nebenwirkung. Doch die Abstimmung der Lichtintensität und des Lampenabstands war anfangs schwierig und führte oft zu Sonnenbrand. Schließlich meldete Wolff 15 Patente an, und seine Sonnenbank wird bis heute von vielen Menschen genutzt. Etwa 38 % aller Schweizer ab 16 Jahren sollen mindestens einmal ein Solarium besucht haben.
Schädliche UV-Strahlen
Schon bald rief der Sonnenbank-Boom die Dermatologen auf den Plan. Laut WHO gilt UV-Strahlung aus Solarien als höchst hautkrebserregend (75 % Risiko) – ebenso gefährlich wie Asbest oder Tabak.
Laut der Deutschen Krebshilfe verdoppelt sich das Risiko für schwarzen Hautkrebs bei regelmäßiger Nutzung bis zum 35. Lebensjahr. Jede Nutzung trägt zudem zur vorzeitigen Hautalterung bei.
Auch das Argument des Stimmungsaufhellers ist fraglich: Solarien schwächen das Immunsystem, und intensive UV-Strahlung – egal ob künstlich oder natürlich – verursacht DNA-Schäden innerhalb von Sekunden.
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) rät daher, intensive UV-Strahlung selbst bei Erkältung zu meiden. In Deutschland ist Minderjährigen der Besuch von Solarien gesetzlich verboten.
Trotz Bezeichnungen wie «Smart Bräuner» oder «Bio Sonnenbank» bleibt: Künstliche UV-Strahlung ist gesundheitsschädlich.
Trotzdem Solarium?
Regelmäßige Solarium-Besucher führen häufig folgende Vorteile an:
Eine leichte, «gesunde» Bräunung des Hautbildes
Wohltuende Entspannung, ähnlich einem Kurzurlaub
Bildung von Vitamin D durch UV-B-Strahlung (wenn auch schwächer als durch die Sonne)
Dennoch gilt: Maß halten! Menschen mit sehr heller Haut (Hauttyp I) sollten grundsätzlich auf Solariumbesuche verzichten.
Empfohlen wird, nur moderne Sonnenstudios mit fachkundiger Beratung und steuerbarer Technologie zu wählen. Augen sollten stets mit einer speziellen Schutzbrille bedeckt werden – kompetente Studios stellen diese zur Verfügung.
Infrarotstrahler
Was steckt dahinter?
Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ist die bedeutendste Quelle von Infrarotstrahlung die Sonne – etwa 50 % des Sonnenlichts besteht daraus.
Künstlich erzeugte Infrarotstrahlung (elektromagnetische Wärmestrahlung) wird in drei Arten unterteilt:
IR-A (780–1400 nm): Kurzwellige Strahlung – ideal für Außenbereiche und körperliche Anwendungen, da sie tief unter die Haut geht.
IR-B (1400–3000 nm): Mittelwellige Strahlung – kaum wirtschaftlich zum Heizen, wird aber in Infrarotkabinen verwendet.
IR-C (3000 nm–1 mm): Langwellige Strahlung – ideal für Wohnräume, indirekte Wärmeübertragung über Flächenheizsysteme.
Sind Infrarotstrahler gesund?
Infrarotstrahlung ist jener des Sonnenlichts sehr ähnlich, jedoch nicht krebserregend. Sie dringt nur rund 0,3 Millimeter in die Haut ein, erweitert die Gefäße, fördert die Durchblutung, löst Verspannungen und lindert Schmerzen.
Da die Luft dabei nicht erhitzt wird, wird kein Staub aufgewirbelt – ideal für Allergiker. Die Luftfeuchtigkeit bleibt konstant, was die Schleimhäute schont und Kopfschmerzen vorbeugt.
Infrarotkabinen werden erfolgreich bei Erkältungen, Rheuma, Hautproblemen und sogar beim Abnehmen eingesetzt.
Einziger Nachteil: hoher Energieaufwand bei schlecht isolierten Gebäuden. Ansonsten sorgen Infrarotstrahler für ein sehr gutes Raumklima und beugen Schimmelbildung vor, da sie die Wände trocken halten.
Für die körperliche Anwendung
Die erste Infrarotkabine geht auf John Harvey Kellogg zurück. Bereits 1891 entwarf er das «Electric Light Bath» (elektrisches Lichtbad). In seinem Buch Light Therapy von 1910 veröffentlichte er zahlreiche Studien dazu.
Heute werden solche Kabinen als «Sauna» genutzt. Obwohl die Temperatur nur rund 50 °C erreicht, kommt man stark ins Schwitzen. Unterschieden werden:
Magnesiumstrahler
Keramikstrahler
Vollspektrumstrahler
Carbonstrahler
Der Vollspektrumstrahler deckt alle drei Strahlungsbereiche (A–C) ab. Wer keinen Platz für eine Kabine hat, kann auf mobile Infrarotstrahler – etwa für den Rücken – zurückgreifen.
Kurzgefasst
Lichttherapie / Tageslichtlampen: nachweislich wirksam bei saisonalen Depressionen.
Solarien: gesundheitlich bedenklich, nur selten und mit Vorsicht nutzen.
Infrarotstrahler: wohltuend, vielseitig und gesundheitlich unbedenklich – eine gute Alternative zu fehlendem Sonnenlicht.
„Licht kann heilen – aber nicht jede künstliche Sonne ist harmlos.“