Sonnenenergie
Autor/in: DIPL. MED. ROBERT KIRSCH (Neurologe, Valens, CH)
Ausgabe: April/2018 - Sonne
Juhe, wir bauen eine Solaranlage!
«Papa, was machst du da?»
«Oh, Peter, schön, dass du schon da bist. Ich beginne die neue Solaranlage aufzubauen. Wenn alles steht und angeschlossen ist, produzieren wir unseren eigenen Strom!»
«Toll! Und wenn es einen Stromausfall gibt, sind wir dann die Einzigen, die noch Strom haben?» – «Äh, na ja, zumindest, wenn die Sonne scheint.»
«Papa, was passiert da eigentlich? Braucht man da nicht noch einen Generator wie bei einer Dampfmaschine?»
«Nein, da bewegt sich nichts. Unser Nachbar ist doch Physiker, der kann uns das näher erklären. Hallo, Herr Zweistein, haben Sie unseren Beitrag zur Energiewende schon gesehen?»
«Hallo, Herr Meier, hallo, Peter, ich habe mich schon gewundert, was Sie mit dem ganzen Material vorhaben.»
«Können Sie uns sagen, wie das mit der Sonnenenergie funktioniert, dass am Ende Strom herauskommt?»
Herr Zweistein erklärt
«Das muss ich etwas ausholen. Unsere Sonne ist ein bemerkenswerter Stern, im Grundsatz ein riesiger, unverstellbarer heißer Gasball aus Wasserstoff, den um die Erde und die meisten anderen Planeten kreisen. Im Inneren der Sonne herrschen extreme Druckbedingungen, dass die Kerne der Wasserstoffatome zu Heliumkernen verschmelzen. Diesen Vorgang nennt man Kernfusion. Dabei wird eine gigantische Energiemenge frei, nicht zu vergleichen mit der Knallgasreaktion von Wasserstoff, die du aus der Schule kennst, und die ist ja schon heftig. Die Sonne strahlt nun nach und nach diese Energien insbesondere in Form von elektromagnetischer Strahlung unterschiedlicher Wellenlängen ins Weltall ab, von sehr kurzwelligen Röntgenstrahlen bis hin zu langen Radiowellen. Die Sonne ist im Vergleich zu anderen Sternen nicht besonders groß und spektakulär, aber dafür sehr stabil. D.h., die Intensitätsschwankungen sind dankenswerweise nicht so groß, dass sie unser Leben auf der Erde gefährden. Bei den meisten anderen Sternen, die man beobachten kann, sieht das viel ungemütlicher aus.
Die Atmosphäre unserer Erde sorgt für uns schädliche Gamma-, Röntgen- und ultraviolette Strahlung auf ein erträgliches Maß abzuschwächen. Natürlich Im Inneren der Sonne herrschen so extreme Druckbedingungen, dass die Kerne der Wasserstoffatome zu Heliumkernen verschmelzen. Diesen Vorgang nennt man Kernfusion. (Textfortsetzung) wäre aber Pflanzen gegenüber Piloten und Flugbegleitern arbeiten deshalb vorübergehend als Bodenpersonal, weil die Höhenstrahlung für Ungeborene ein erhöhtes Risiko darstellt. Die höchste Intensität der Sonnenstrahlung liegt übrigens im Bereich des sichtbaren Lichts.»
«Aber jetzt haben wir immer noch keinen elektrischen Strom!»
«Geduld, Peter, die Menschheit hat Jahrtausende ohne Strom überlebt und trotzdem die Sonnenenergie genutzt. In unseren Breiten kommen bei guten Bedingungen etwa 1000 Watt pro Quadratmeter an Sonnenenergie an. Das muss man sich einmal vorstellen, das ist etwa so viel wie ein typischer Toaster heizt! Damit werden der Boden, das Wasser und die Luft erwärmt und damit wachsen alle Pflanzen durch Fotosynthese. Fast die gesamte Sonnenenergie, die wir nutzen könnten, steckt dann also im Wind, der weht, im Regen- oder Schneewasser, das die Berge herunterfließt, und ist im Holz in allerlei Formen als Biomasse gespeichert.»
«Ist das Erdöl auch Sonnenenergie?»
«Ja sicher, natürlich schon. Unsere Reserven an Erdöl, Kohle und Gas sind nichts anderes als hochkonzentrierte Biomassen von Pflanzen, die über einen sehr langen Zeitraum die Sonnenlicht gewachsen sind. Weil wir sie aber in einem viel kürzeren Zeitraum verbrauchen, als das Wachstum dieser Pflanzenge- dacht hat, sind diese Energieträger nicht nachhaltig oder erneuerbar. Außerdem deutet sehr viel darauf hin, dass die massive Verbrennung dieser sogenannten fossilen Energieträger durch den raschen Anstieg an Kohlendioxid (CO₂) unser Klima in den nächsten Jahrzehnten weltweit durcheinanderbringen wird. Deshalb ist es so wichtig, dass man sich rechtzeitig überlegt, wie man die erneuerbare Energi e möglichst vernünftig nutzt und ausbaut, bevor das Öl unbezahlbar wird und der Klimawandel zu noch größeren Problemen führt.»
Der ökologische Fußabdruck in unserem Land liegt etwa bei 3, d.h. wir verbrauchen dreimal so viele Ressourcen, wie unsere Erde langfristig verkraften kann.
«Ja, aber wie funktioniert das mit den Solarmodulen?»
«In jedem unserer Solarmodulen sind viele Fotodioden, die sichtbares Licht durch den fotoelektrischen Effekt in direkten elektrischen Strom umwandeln. Davon lassen sich bei optimalen Bedingungen je nach Bauweise 15 % bis 30 % in Strom umwandeln. Diese Dioden und Module können fast beliebig kombiniert werden, sodass man je nach Platzangebot einen Taschenrechner oder eine Raumstation mit Sonnenenergie versorgen kann.
Wie viele Quadratmeter habt ihr da drüben?»
«10 m² mit 1600 Watt Spitzenleistung!»
«Die 1600 Watt sind schon ordentlich, so wie bei einer normalen Steckdose. Allerdings hat man das nur an einem warmen, sonnigen Tag, wenn die Sonne senkrecht darauf scheint. Bei eurer Anlage dürfte ihr damit pro Jahr etwa 1600 kWh erzeugen.»
«Kilowattstunden?? Ich verstehe nur Bahnhof.»
«1600 kWh entsprechen der Energiemenge, die man benötigt, um 1600 Stunden lang Brot mit einem 1000-Watt-Toaster zu toasten. Das klingt nach viel, und ich will euch jetzt nicht die ganze Freude an der neuen Anlage verderben, aber gleichmäßig übers Jahr verteilt, wären das nur knappe 200 Watt.»
«Moment! Mein Physiklehrer meint immer: Ihre Physik ist gut, aber sie können nicht rechnen! Wenn räte, die ständig auf Standby sind, mit Zeitschaltuhren versehen würden und nicht immer unnötig das Licht brennen ließen, könnte fast jede Familie im Schnitt etwa 100 Watt einsparen! Das heißt, allein 5 m² brauchen wir bereits, um unsern völlig unnötigen Stromverbrauch zu decken?»
«Da hast du leider Recht, Peter. Den wenigsten Menschen um uns herum ist bewusst, wie viel kostbare Energie wir verschwenden. Besonders ärgert es mich, wenn manche Zeitermossen meinen, mit etwas Fotovoltaik, Fairtrade-Kaffee – am besten noch in Plastikbechern! – und CO₂-Abschlagzahlungen bei den Flugtickets hätten sie schon beinahe die Welt gerettet. Das ist jetzt ziemlich überspitzt, aber oft verkehrt im Punkt. Photovoltaik ist zwar sinnvoll, wo sie unmittelbar gebraucht wird, z. B. bei Klimageräten während der Mittagshitze oder bei Industriebetrieben, die tagsüber den meisten ihrer Strombedarf haben, oder wo man ganz autark (unabhängig) sein will. Der große Nachteil der Fotovoltaik und Windparks besteht darin, dass man den Strom nur schlecht speichern kann. Da Speicherkraftwerke für viele gute Lösungen mit großen Akkus, aber die sind noch sehr teuer, sodass heute nur reiche Idealisten so etwas in ihren Häusern installieren. Für thermische Solarkraftwerke, bei denen ein Öl oder Salz so stark aufgeheizt wird, dass auch noch Stunden später, mitten in der Nacht, damit Dampf zur Stromgewinnung erzeugt wird, ist die Sonnenstrahlung nördlich der Alpen viel zu schwach und unbeständig. Fast der ganze überschüssige Strom, der durch Windkraft und Fotovoltaik produziert wird, wird direkt ins Stromnetz eingespeist. Der Strombedarf entspricht aber praktisch nie dem schwankenden Anteil aus den erneuerbaren Energien. Deshalb muss die Differenz ständig mit Kohle- und Gaskraftwerken reguliert werden, wodurch die gesamte Stromerzeugung nicht umweltfreundlicher wird. Die Regulierung nur mit Wasserkraft hinzukriegen ist bei unseren Energiemengen in ganz Europa gar nicht mehr möglich. Teilweise stehen die notwendigen Kraftwerke in ganz anderen Ländern, wo wir gar keinen Einfluss mehr darauf haben, wie deren Umweltschutzt dort genormt wird.»
«Oje, dann haben wir doch die Solaranlage völlig vergeblich gekauft?»
«Nein, in dieser Größenordnung hilft sie Ihnen auf jeden Fall, den eigenen unmittelbaren Strombedarf zu decken, ohne das gesamte Stromnetz nachteilig ZU beeinflussen.
Wenn Sie ohne Komforteinbußen unabhängig werden wollen, dann bräuchten Sie mindestens eine zehnmal so große Fläche und heute leider noch sehr teure Akkuspeicher. Worauf ich hinaus will, ist Folgendes: Wenn die Motivation zur Nutzung der Sonnenenergie wirklich der Umweltschutz ist, dann ist es viel sinnvoller, sich zu überlegen, wo man Energie einsparen kann.
Der ökologische Fußabdruck in unserem Land liegt etwa bei 3, d.h., wir verbrauchen dreimal so viele Ressourcen, wie unsere Erde langfristig verkraften kann.»
«Wo könnten wir denn sonst noch Energie sparen?»
«Da gibt es unzählige kleine Beispiele, z. B. die Wäsche möglichst im Freien zu trocknen oder zu duschen, statt ein Vollbad zu nehmen. Einfache Sonnenkollektoren (Solarthermie) auf dem Dach sind eine exzellente Methode, das Warmwasser direkt aufzuheizen und damit Strom oder Heizöl zu sparen. Generell kann man als normaler Bürger am meisten bewirken, wenn die Wohnräume modern isoliert sind und man nur so viel heizt, wie man wirklich braucht, und nicht gleich in jedem Raum Mittelmeerklima einstellt. Vielleicht ist ja der nächste Urlaub am Bodensee sogar schöner als irgendwo viehundert Kilometer weit wen die Flugstunden entfernr? Die regionalen Energieversorger und Beratungsstellen können einen heute sehr gut und individuell beraten. Auch wenn man damit vielleicht zunächst nur eine große Menge Öl und Gas gespart wird, hilft dies bereits, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern so weit zu mindern, dass genug Zeit bleibt, ausreichende und wirtschaftliche Speicherthechnologien zu entwickeln, um das nächstgrößere gemeinsame Angebot an Sonnenenergie für unseren gesamten Energiebedarf zu nutzen.»
📚 Weiterführende Informationen:
Harald Lesch: «Quantenmechanik für die Westentasche», PIPER, 2007, ISBN: 978-3492051255
Robert B. Laughlin: «Der Letzte macht das Licht aus: Die Zukunft der Energie», PIPER, 2013, ISBN: 978-3492302784
Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme: «Aktuelle Fakten zur Fotovoltaik in Deutschland», 2018, www.pv-fakten.de
http://www.2000watt.ch/
https://www.bfs.admin.ch/bfs/ de/home/statistiken/nachhaltige-entwicklung/oekologischer-fussabdruck.html
„Im Inneren der Sonne herrschen extreme Druckbedingungen, dass die Kerne der Wasserstoffatome zu Heliumkernen verschmelzen. Diesen Vorgang nennt man Kernfusion.“