Wie viel Sonne braucht der Mensch?
Autor/in: DIPL. MED. ROBERT KIRSCH (Neurologe, Valens, CH)
Ausgabe: April/2018 - Sonne
Das Sonnenlicht ist absolut lebensnotwendig!
Die alten Ägypter wussten es. Die Babylonier auch. Die Römer und Griechen ebenso. Sogar unsere Vorfahren. Wir aber drohen es zu vergessen, nicht in der Theorie, sondern in der Praxis. Wann wir aufstehen, bestimmen unser Wecker und nicht länger der Sonnenaufgang. Wie spät es ist, sagt unsere Uhr und nicht die Sonnenuhr. An welchen Himmelskoordinaten wir uns gerade befinden, weiß unser Kompass, und wohin wir gehen, erkennt unsere Karten-App und nicht der Sonnenstand. Wie lange wir arbeiten, wie lange wir schlafen, wie lange wir wach sind, all das steht in unserem Ermessen und ist nicht mehr abhängig von der Sonne. Wenn es dunkel ist oder wir uns bräunen wollen, schalten wir ein künstliches Licht ein!
Deshalb die Frage: Wie viel Sonne braucht der Mensch?
Doch nicht nur bei Uhrzeit, Orientierung, Arbeitspensum, Freizeitgestaltung und Schlaf-Wach-Rhythmus haben wir den Bezug zum Sonnenlicht verloren, sondern zunehmend auch bei Gesundheit und Krankheit. Das Ozonloch weitet sich – bedrohliche Größe und Sonnenbrandrisiko nehmen zu. Immer mehr Menschen sind im technisiertem Umfeld tätig, Bewegungsräum vernachlässigt. Immer teurere Medikamente werden verkauft, doch Hautkrebsbäufigkeit, saisonale-affektive Störungen, Sonnenallergie und Vitamin-D-Mangel nehmen zu. Auf der einen Seite warnen die Wetterkarten vor hoher Sonnenaspekt, die Medien, auf der anderen Seite sagen: Sonne ist gesund. Deshalb wiederum die Frage: Wie viel Sonne braucht der Mensch?
Wie ist das Sonnenlicht aufgebaut?
Die Sonne erzeugt eine enorme Menge an energiereicher Strahlung: KosmosStrahlung, Gamma-Strahlung, Röntgen-Strahlung, Ultraviolette (UV) Strahlung, sichtbare Strahlung sowie Infrarot (IR)-Strahlung. Durch unsere Erdatmosphäre werden wir vor aller hochenergetischen Strahlung (kosmische, Gamma-, Röntgen-, UVC-Strahlung vollständig und vor der UV-Strahlung (UVB, UVA) größtenteils geschützt. Übrig bleibt ein Rest (< 1%) der UV-Strahlung (UVB und UVA von 290–400 nm, das uns sichtbare Lichtspektrum (400–750 nm) sowie die unsichtbare IR-Strahlung (750–2200 nm).
Welchen Effekt hat das Sonnenlicht?
UV-Licht:
Das UVA-Licht gelangt in die oberen sowie in tiefere gelegene Hautschichten und ist für eine vorzeitige Hautalterung verantwortlich. Das UVBLicht gelangt nur in die oberste Hautschicht, kann bei einem Sonnenbrand verursachen und die körpereigenen Vorstufen (7-Dehydrocholestero) zu Vitamin D umwandeln. UVA- und UVB-Licht können auch die Erzeugung freier Radikale sowohl weiße als auch schwarzen Hautkrebs verursachen. Aber der menschliche Körper ist den UV-Strahlen nicht schutzlos ausgeliefert. Besondere Hautzellen, die sogenannte Melaonozyten, können unter Produktion des Pigments Melanin wie ein Sonnenschirm vor der schädlichen Wirkung der UV-Strahlung schützen, indem dieses Pigment als Antioxidans die Wirkung der freien Radikalen abfängt. Darüber hinaus schützt der Körper bei Sonnenstrahlung durch eine Verdickung der obersten Hautschicht, die ein Spiegel gegenüber dem UV-Licht wirkt.
UV-Licht-Wirkungen:
• UV-Licht ist ein Glücksbringer. Wenn UVA- und UVBLicht gleichzeitig auf die Körperzelle trifft, schüttet diese Zelle Beta-Endorphin aus, ein körpereigenes Glückshormon. Dieses Hormon sorgt nicht nur für ein angenehmes Gefühl und Wohlbefinden, sondern hat auch schmerzlindernde und entzündungshemmende Eigenschaften, warum ein Mangel an Sonnenlicht depressiv machen.
• UV-Licht aktiviert gespeicherte Uhren-Gene (clock-genes) wie period 1 and clock) in verschiedenen Körperzellen, auch für die Steuerung unseres Schlaf-Wach-Rhythmus wichtig sind.
• UV-Licht stärkt das Herz, indem es den Blutdruck und Cholesterinspiegel senkt. Über die gefäßerweiternden Substanzen Stickstoffmonoxid (NO), Kohlenmonoxid (CO), Substanz P sowie CRGP wird nicht nur der systolische, sondern auch der diastolische Blutdruck vermindert.
• UV-Licht wirkt immunmodulierend und schützt vor Autoimmun-, Infektions- und Tumor-Erkrankungen. Unter exzitation des Immunsystems führt zu Autoimmunerkrankungen, Unterstimulation des Immunsystems dagegen zu Infektions- und Tumorerkrankungen.
• UVB-Licht ermöglicht die Synthese von Vitamin D3.
Sichtbares Licht
Das sichtbare Licht dringt weniger tief in die Haut ein aber spielt für den Menschen eine sehr große physiologische Bedeutung. Nach maßgebliche an unserem zirkadianen Tagnacht-Rhythmus beteiligt, steuert den Körperzucken und somit Körperrhythmus und damit einhergehend auch unsere Erholung cöne an. Das blaue Licht (460–500 nm) am Morgen zwischen die größte heilende eigene Licht-Hormone.
Zu den «Licht»-Hormonen zählen:
• Cortisol (-> Stresshormon)
• Serotonin (-> Impulskontrolle)
• GABA (-> Beruhigung)
• FSH (-> Reproduktion)
• GRP und NPY (-> Hungerhormon)
• Sowie das TSH (-> Schilddrüsenhormon)
Die morgendliche Ausschüttung von Serotonin, Dopamin und GABA ist für ein mentales Gesundheit von großer Bedeutung. Die nachlassende Serotonin-Produktion beim Sundowner nur für unsere Stressorgen tragen. Eine tägliche Sonnenbestrahlung kann die Serotoninspiegel zu steigern. Ein Serotonin-Mangel ist hingegen an folgenden psychiatrischen Krankheitsbildern beteiligt: affektive Störungen, Angststörungen, Schizophrenie und Selbstmord. Ein Dopamin-Mangel äußert sich ähnlich mit Traurigkeit, Energiemangel, erhöhtem Schlafbedürfnis und Heißhunger auf Kohlenhydrate (wie z. B. Schokolade und Süßigkeiten). Ein GABA-Mangel kann Angstzustände hervorrufen.
GRP-, NPY und TSH-Mangel führen ebenso zu Heißhunger-Attacken und Impulskontrollverlust.
Dunkelheit bzw. die Anwesenheit von rotem Licht und die Abwesenheit von blauem Licht am Abend ab 22 Uhr bewirken einen Anstieg der «Dunkelheits»-Hormone.
Mäßig viel heißt die meist herausfordernde beste Antwort: Schutz und nicht Schaden durch Sonnenlicht.
Zu den «Dunkelheits-Hormonen» zählen:
• Melatonin (-> Schlaf)
• VIP (-> Blutzuckeregulation)
• Wachstumshormon (GH) (-> Anti-Aging, Metabolismus und Regeneration)
Die abendliche Ausschüttung von Melatonin, VIP und GH ist für den erholsamen Schlaf, die Blutzuckersenkung und den Stressabbau ganz wesentlich.
Melatonin, VIP und GH-Mangel bewirken einen Blutdrückenstieg sowie eine abnorme Gewichtszunahme (metabolisches Syndrom). Ohne Melatonin gibt es keinen erholsamen Schlaf (Deltaschlaf). Melatonin wird aber nur zwischen 22 Uhr abends und 4 Uhr morgens bei nächtlicher Dunkelheit ausgeschüttet. Bereits kleinste Lichtmengen (z. B. Kunstlicht von einer Lampe, einem Handy, einem Laptop, oder einem TV oder der Mondschein) blockieren die Melatonin-Herstellung und bringen uno uns um den erholsamen nächtlichen Schlaf.
Auch unser Immunsystem und seine Immunzellen arbeiten abhängig von unserer inneren Körperuhr. Cortisol am Morgen führt zu einer vermehrten Ausschüttung der sogenannte ten B-Zellen und schützt vor verschiedenen Krankheitsverren. Melatonin am Abend verwirkt eine vermehrte Ausschüttung der T-Zellen und schützt vor Krebserkrankungen. Wer früh schlafen geht und früh aufsteht, stärkt also sein körpereigenes Immunsystem. Wer hingegen spät schlafen geht und spät aufsteht, ist nicht nur deutlich anfälliger für Erkältungserkrankungen, sondern auch für Krebserkrankungen.
IR-Licht:
Betrachten wir das IR-Licht, das ebenso bis in den Bereich der inneren Organe vordringt.
Es begünstigt die Wundheilung, verringert Hautfalten und sorgt über eine Erhöhung der Kollagendichte für eine straffe Haut.
Vitamin D – Das «Sonnenlicht»-Vitamin:
Erst seit kurzem weiß man, wie vielfältig und lebenswichtig dieses Vitamin ist. Wie bereits erwähnt, wird es beim Auftreten der UVB-Strahlung auf die Haut aus körpereigenen Vorstufen hergestellt. Doch auch in Lebensmitteln wie Shiitake-Pilzen, Fisch und Leber kommt es vor. Damit kann aber der erforderliche Vitamin-D-Bedarf niemals gedeckt werden.
Was bewirkt Vitamin D genau?
• Vitamin D und unsere Knochen gehören für uns zusammen wie Bienen und Honig: Das Vitamin stärkt unsere Knochen und ist wichtiges Element im Kalziumstoffwechsel. Zu Amazem die Ca2+-Aufnahme aus dem Darm und die Ca2+-Weitergewinnung aus dem Harn und Einbau in den Knochen einbaut. Ein Vitamin-D-Mangel in den Wintermonaten ist für erhöhter Knochenschwund verbunden – zu vermehrten Knochenbrüchen, spröden Nägeln und einer Osteoporose oder Osteopenie.
• Vitamin D und das Herz. Einige Studien scheinen zu belegen, dass Vitamin D die Arteriesteifigkeit verringert.
• Vitamin D wirkt immunmodulierend. Es stärkt sowohl das angeborene als auch das erworbene Immunsystem und verringert das Erkrankungsrisiko für Autoimmunerkrankungen (z. B. chronisch-entzündliche Darm-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 1, MS, rheumatoide Arthritis) und verhindert Infektionserkrankungen (z. B. Atemwegsinfekte, Influenza, Tuberkulose).
• Vitamin D wirkt krebshemmend. Es begünstigt die Differenzierung der Körperzellen, überwacht den Teilungsmechanismus der Körperzellen, moduliert deren Haftung aneinander. Es verringert somit das Risiko für Brust-, Darm- und Prostatakrebs.
Möchte man in den Genuss all dieser gesundheitsfördernden Vorteile kommen, so stellt das Sonnenlicht die beste Quelle für das Vitamin D dar, denn dieses verbleibt 2-3 Mal länger im Blut als das aus Nahrungsergänzungsmitteln oder der Nahrung aufgenommene. Allerdings ist die Produktion von Vitamin D über das Sonnenlicht von Breitengrad, Sonneneinstrahlwinkel, Jahreszeit, Hohe, Hautfarbe und Alter abhängig. Hierbei gelten folgende Grundsätze: Umso näher am Äquator, desto besser, umso höher der Sonnenstand, desto besser (Mittagssonne). In den gemäßigten Breiten sind nur die Sommermonate geeignet. Umso höher über dem Meer, desto besser (Höhenlage > 1500 m); umso heller der Hauttyp, desto effizienter, umso jünger das Alter, desto besser. Berücksichtigt man dies, so empfiehlt sich in der Schweiz dringend eine Nahrungsergänzung von Vitamin D, um ein ausreichenden Vitaminspeigel herzustellen. Ein Vitamin D-Spiegel zwischen 40 und 60 ng/ml wird als ideal betrachtet. Manche Vitamin D-Verechter streben sogare Werte von 80 und 100 ng/ml an. Bis zu 100 ng/ml gilt als sicherer Bereich. Das absolute Minimum sollte bei 30 ng/ml angesetzt werden. Somit sollten alle Menschen, die nicht zwischen den 25. nördlichen und südlichen Breitengrad leben, eine Vitamin D-Prophylaxe mit 1000–2000 IU täglich einnehmen. Es ist zu beachten, dass ältere und übergewichtige Menschen höhere Tagesdosen benötigen. Auch Personen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder Gluten-Unverträglichkeit können ein Problem bei der Aufnahme von Vitamin D haben und brauchen deshalb entsprechende Dosierungen.
Sinnvoll sonnen duschen – wie geht das?
Am besten geeignet ist die späte Vormittagssonne (zwischen 10–12 Uhr). Angestrebt werden die gemäßigte, gleichmäßige Hautrötung. Einen Sonnenbrand unbedingt zu vermeiden. Einfache Richtlinien: man sollte zehn anfängliche (Hände bzw. Beine) 5 Minuten täglich der Sonne aussetzen. Wichtig ist ebenfalls die Vergrößerung der Hautfläche. Anfangs kann man einer Körperpartie für 10 bis 15 Minuten täglich beginnen. Im Verlauf der Sommermonate kann sinnvollen Sonnenbaden im Verlauf um weitere Körperpartien (Arme, Beine, Rumpf) sowie im weitere 5 Minuten täglich steigern. Ein tägliches Sonenbaden von bis zu 30 Minuten ist für die meisten Menschen sicher erreichbar – darüber hinaus sollte ein Sonnenschutz insbesondere der am meisten tätowierten Körperpartien (Kopf) durchgeführt werden (z. B. Kleidung).
Schlusswort
Obiger Einblick in den neusten Stand der Sonnenlichtforschung hat uns die weitreichenden Wirkungen von Sonnenlichtes auf unser Organismus verdeutlicht. Wie viel Sonne braucht der Mensch? «Mäßig viel» heißt die meist herausfordernde beste Antwort: «Schutz und nicht Schaden des durch Sonnenlicht» lauset das Motto. Tun Sie sich Ihrer Gesundheit etwas Gutes und gönnen Sie sich eine tägliche Sonnendusche!
„Bereits kleinste Lichtmengen (z.B. Kunstlicht von einer Lampe, einem Handy, einem Laptop, einem TV oder auch Mondschein) blockieren die Melatonin-Herstellung und bringen einen so um den erholsamen nächtlichen Schlaf.“