Wenn Schatten gesünder ist

 

Autor/in: DR. MED. KERSTIN HAUFE (Hautärztin, Schwyz, CH)

Ausgabe: April/2018 - Sonne

 

Endlich Sommer! Wärme, Aktivitäten im Freien, Freude, Urlaub, gebräunte Haut! Die Sonne in vollen Zügen genießen. Oder besser doch nicht? Gibt es etwa auch ein «Zuviel» davon? Was ist ein gesundes Maß und warum?

Die Sonne

Die Sonne ist eine riesige Strahlungsquelle, die ein breites Spektrum von Wellen produziert. Das «Sonnenlicht» besteht aus sichtbarer und unsichtbarer Strahlung, die im Verlauf des Tages in unterschiedlicher Höhe auf «Obst» von uns Menschen trifft. «Licht» wird dabei der Strahlungsbereich genannt, der unsere Augen wahrnehmen können, mit Wellenlängen zwischen ca. 380–780 nm.

Große Anteile der nicht sichtbaren Strahlung haben erst nach technischer Aufbereitung eine uns gut genutzte Wirkung: Gamma- und Röntgen-Strahlen (in Diagnostik und Therapie in der Medizin), Mikrowellen (Radar, Mikrowellenherd), Radiowellen (Übertragung von Sprache, Bildern, Daten, Navigationssignalen) und der starke Wärmeentwicklung durch die Sonne (v. a. Infrarot-Strahlen), die für kreislauf schwache Menschen gefährlich werden kann, ist die für uns unsichtbare Ultraviolett (UV)-Strahlung Ursache vieler Schäden – vor allem an der Haut.

Entsprechend sind seine Wellenlängen wird UV-Licht eingeteilt in UVA- (315–380 nm), UVB- (280–315 nm) und UVC-Strahlung (200–280 nm). Der größte Anteil dieser Strahlung wird von der Ozonschicht aufgenommen und dringt nicht bis zur Erdoberfläche vor. Jedoch dringt durch das «Ozonloch» immer mehr schädliche UV-Strahlung bis zur Erdoberfläche.

Welche Wirkung erzeugen UV-Strahlen an unserer Haut?

Neben der positiv zu nen­nenden Bildung von Vitamin D durch UVB kommt es über die Bildung von «freien Radikalen» (sehr aggressive, reaktionsfreu­dige Stoffe) zu Zellschaden mit kurz- und langfristigen Folgen.

Akuter Sonnenschaden ent­steht vor allem durch UVB-Strah­lung. Er zeigt sich als Rötung mit Spannungs- und Hitzegefüh­len, die frühestens 4–6 Stun­den, meist erst 1–2 Tage nach Sonnenkonsum auftritt – also lange nach Ende des Sonnen­kontaktes! Bei stärkerer Ausprä­gung sind sogar Blasen möglich. Leider bleibt es nicht bei dieser nur kurzzeitigen Störung des Wohlbefindens. Auf längere Sicht summieren sich alle klei­nen Sonnenschäden und führen zu den nachfolgenden langfris­tigen UV-Schäden. Die Haut ver­gisst nie!!!

Sollte es trotz Vorsichts­maßnahmen einmal zu einem Sonnenbrand gekommen sein, empfiehlt sich die Anwendung kühlender Gele (z. B. aus Aloe Vera) und leichter, feuchtig­keitsspendender Lotionen. Bei stär­keren Schmerzen und Schwellungen/Blasenbildungen der Haut kann auch die kurzzeitige Ein­nahme von entzündungshemmenden Medikamenten sinnvoll sein. Folgeschäden der Haut kön­nen damit jedoch nicht vermei­den werden! Deshalb ist es auch weiterhin die beste Lösung, jeden auch noch so leichten Sonnen­brand zu vermeiden.

Ob eine Person eher stärker oder leichter zu Sonnen­bränden neigt, hängt auch sehr mit dem Hauttyp zusammen. Während z. B. Menschen mit Hauttyp I (weiße Haut, blaue Au­gen, blond-rötliche Haare, Som­mersprossen) nach 5–10 Mi­nuten in der prallen Sonne mit Sonnenbrand reagieren, insge­samt jedoch kaum einmal bräu­nen, können sich Personen mit dem Hauttyp IV (mediterraner Teint, braune Augen, dunkel­braun bis schwarze Haare) ohne Probleme 40 Minu­ten der Sonne ausset­zen und wer­den dabei nicht rot, sondern braun.

Langfristige UV-Schäden:

1. Hautalterung

Durch tief in die Haut eindrin­gende UVA-Strah­lung kommt es zur Schädigung von kollagenen und elastischen Fa­sern, Talgdrüsen und auch zu Hautzellschäden. Die Folgen davon sind nicht sehr beliebt: schlaffe und trockene Haut mit Faltenbildung. Außerdem zeigen sich rote, braune und helle Fle­cken, und die Blutgefäße wer­den sichtbarer.

Neben der genetischen Veranlagung spielt bei der Hautalterung das UV-Licht die größte Rolle. Weitere ungünstige Fakto­ren sind das Rauchen, eine schlech­te Ernährung, wenig Schlaf, viel Stress und psychische Belastung. Besonders intensives UVA-Strah­lung wird übrigens in Solarien frei­gesetzt – so ent­steht also nicht nur die angestrebte Bräune, sondern auch eine runzelige Haut! Solariu­m-Besuche vor Urlaubsantritt mit dem Ziel der Ge­wöhnung der Haut ans UV-Licht sind wegen der hohen UVA-Nutzung nicht zielführend, da Sonnenbrand und Hautkrebs vor allem durch UVB-Strahlung ausgelöst werden.

Sonnenschutz ist somit das beste Anti-Aging-Mittel. Verstärkt werden kann das durch eine gesunde Er­nährung, positive Gefühle und Rauchfreiheit.

2. Hautkrebsvorstufen und Hautkrebs


Viel Sonnenkonsum, star­ke und häufige Sonnenbrände (ganz besonders in der Kindheit) erhöhen das sonst genetisch festgelegte Risiko für einen spä­teren Hautkrebs. Dabei wird unterschieden zwischen weißem und schwar­zem Hautkrebs (malignes Mela­nom). Besonders der schwarze Hautkrebs häufig nach dem 20. Lebensjahr und an allen dem Sonne ausgesetzten Körperregio­nen (konsequent exponierte Areale) wie Gesicht, Ohren, unbe­haar­te Kopfhaut, Unterlippe und Handrücken. Die können betrof­fen sein, aber auch die soge­nannten Schleim­häute. Dies können dann zur Metastasierung führen. Erste Diagnose konsequent täglich angewandt werden. Außerdem sind danach regelmäßige Unter­suchungen der gesamten Haut durch einen Facharzt empfeh­lenswert, ergänzt durch Selbst­beobachtung der Haut und Nach­frage bei neuen oder veränder­ten Stellen.

Beginnen wir mit dem häufigsten weißen Hautkrebs: dem Basalzellkar­zinom. Dieses zeigt sich in vielen ver­schiedenen Ausprägungen: z. B. als glasig-rote, schnell blutende Knöt­chen, als rot-verkrusteter Fleck, manchmal auch dunkelbraun auf der Hautfarbe. Es wächst aber örtlich zerstörerisch (ohne Rück­bildung) und heilt nicht von al­lein, aber meistens nur sehr lang­sam. Das Wichtigste: Es streut nicht!

Die “solide” Form sieht so aus:

Jedoch gibt es viele weitere Erscheinungsarten wie z.B.:

Die sicherste Therapie ist die vollständige Entfernung mit OP. Ist dies Operation. Alternativthera­pien (meist immunsystemveränd­ernde Cremes, photodynamische Therapie, Bestrahlung, Vereisung und Laser.

Sollte ihnen beim Basalzellkarzinom festgestellt werden, so können Sie zuversichtlich in die Zukunft schauen. Eine Therapie ist zwar unbedingt zu empfehlen, aber eine Streugefahr oder eine verkürzte Lebenserwartung ist nicht zu befürchten.

Der zweithäufigste Haut­krebs ist das sogenannte Stachelzellkarzinom. Es entsteht gewöhnlich aus einer Haut­krebsvorstufe (aktinische keratose). Diese zeigt sich oft als flache, rauhe oder auch manch­mal rote oder braune Stellen – oft an mehreren, vor allem sonnenexponierten Körperteilen gleichzeitig.

Beispiel einer aktinischen Keratose:

In 10–20 % gehen diese Vorstufen in weiße Hautkrebs über. Besonders gefährdet sind ältere Menschen mit einem geschwächten Immun­system oder Menschen, die auf­grund ihrer Grunderkrankungen bestimmte Medikamente einneh­men müssen.

Ihre typischen Hautkrebs­vorstufen sind schuppig und rauh oder hart und können sich wie ein kleines Scherbchen der Haut lösen. Deshalb nennen Hautärzte die typischen Stellen mit Hautkrebs häufig «Sonnen­schornsteine». Sie sollten mehr­mals täglich Ihr Sonnen­schutz. Damit wird nicht nur neuen UV-Schäden vorgebeugt, sondern es kann sogar zu einer Verminderung oder Abheilung der bestehenden Hautkrebsvor­stufen kommen. Als «reparie­rende Therapien» werden ver­schiedene Cremes, Tinkturen, die Vereisungstherapie, Laser, die photodynamische Therapie oder das oberflächliche Abtra­gen angewandt, die allesamt mit Entzündungen einhergehen und dadurch im Alltag zu vorübergehenden Beeinträchtigun­gen führen. Auch hier wird Ihr zuständiger Facharzt gemein­sam mit Ihnen die für Sie passen­de Vorgehensweise planen.

Solange nur Haut­krebsvorstufen vorhanden sind, besteht zwar Handlungsbedarf, aber kein Grund zum Sorgen! Wichtigste Maßnahme ist ab sofort konse­quenter täglicher Sonnen­schutz.

Wurde je­doch ein Stachelzellkarzinom fest­gestellt, dann ist die einzig sinn­volle Therapie die möglichst zügige vollständige Ent­fernung mittels Operation. Meist ist mit dem Herausschneiden des Krebses die Gefahr gebannt. Jedoch besteht bei dieser Hautkrebsart in 10–20 % der Fälle (je nach Tumor­dicke und Unterart) das Risiko einer Streuung – vor allem in die nächstgelegenen Lymphknoten. Deshalb werden bei höherem Risiko regelmäßige Ultraschall­untersuchungen empfohlen.

Beispiel Stachel-zellkarzinom:

Eine der gefährlichsten und immer häufiger Hautkrebsarten ist der schwarze Hautkrebs (malignes Melanom). Die Er­kennung durch Laien ist auch hierbei eher schwierig. Eine ein­fache Aussage gibt die sogenann­te «ABCD-Regel». Dabei werden Asymmetrie (Unregelmäßigkeit der Form), Begrenzung (scharf oder unscharf), Color (Farbe: verdächtig bei mehreren Farben) und Dynamik (Veränderung über die Zeit) beurteilt.

Beispiel eines bösartigen Melanoms:

Risikofaktoren zur Ent­stehung eines Melanoms…

sind ein heller Hauttyp, mehr als 50 Muttermale am ge­samten Körper, große (>20cm) angeborene Muttermale, schwei­re und häufige Sonnenbrän­de (besonders riskant in Kin­desalter), viel Sonnenkontakt über das Leben verteilt (auch bei sportlichen Außen-Aktivitä­ten oder Gartenarbeit!), ein Me­lanom bei Blutsverwandten und früheres Melanom der be­troffenen Person. Melanome können an der gesamten Haut, den Schleimhäuten und am Auge auftreten. Sie können oft vorher völlig normaler Haut wie auch schon lange vorhandene Muttermalen entstehen. Durch die oft durchgeführte Haut­krebsvorsorgeuntersuchung werden immer häufiger Melano­me in frühen Stadien entdeckt.

Die wichtigste Therapie­maßnahme ist das schnellst­mögliche Herausschneiden. Bei früher Erkennung ist die Progno­se sehr gut. Je höher die festge­stellte Tumordicke, desto höher ist das Risiko von Ablegern und desto intensivere Nachsorge­maßnahmen müssen vom Haut­arzt veranlasst werden.

Zusammenfassung:

Neben den angenehmen Seiten des Sonnenlichtes und der Vitamin-D-Produktion gibt es leider auch «Schattensei­ten». Dazu zählen die Haut­alterung, die Entstehung von Sonnenbrand, die Hautkrebsvor­stufen und der Hautkrebs. Deshalb ist heutzutage ein kon­sequent durchgeführter Sonnen­schutz mittels Aufenthalt im Schatten, Hautabdeckung und der Anwendung von Sonnen­schutzmitteln unbedingt empfehlenswert. Sollten Sie an Ihrer Haut neue oder veränderte Hautflecken entdecken, ist eine fachärztliche Untersuchung dringend geboten.

Sonnenschutz ist somit das beste Anti-Aging-Mittel. Verstärkt werden kann das durch eine gesunde Er­nährung, positive Gefühle und Rauchfreiheit.
Zurück
Zurück

Wie viel Sonne braucht der Mensch?

Weiter
Weiter

Richtig belichtet