Unser Sonnensystem
Unser Sonnensystem…
Autor/in: KARL RAMETSTEINER (Chemotechniker, Entwicklungsleiter, Erfinder und Dozent,
Linz, A)
Ausgabe: April/2018 - Sonne
«MEIN VATER ERKLÄRT MIR JEDEN SONNTAG UNSERE NEUN PLANETEN»
M,V,E,M,J,S,U,N,P
… eine bekannte Eselsbrücke über die Abfolge der Planeten in unserem Sonnensystem, die heute nicht mehr gilt; 2006 hat Pluto seinen Planetenstatus verloren, er ist nur noch ein Zwergplanet im Kuipergürtel. Seitdem gilt: …UNSERE NATÜRLICHE KOSMISCHE ORDNUNG, wobei K für Kuipergürtel und O für Oortsche Wolke steht, die äußersten Teile «unseres» Sonnensystems.
«Unser» können nur vernunftbegabte Wesen, also Menschen, ausdrücken, anderen Lebewesen ist diese Sichtweise versagt. Und selbst uns ist es schwergefallen, die Systematik zu durchschauen.
Die Sonne und der Mond …
Sie gehen auf und unter und rücken die Erde augenscheinlich ins Zentrum des Geschehens. Ptolemäus (100–160 n.Ch.) beschrieb im Detail dieses Weltbild, und es sollte für die nächsten 1500 Jahre gültig bleiben. Dann äußern Giordano Bruno, Galilei, Kopernikus, Kepler, später Newton berechtigte Zweifel und postulieren, ja belegen mit Rechenmodellen unser noch heute gültiges Weltbild:
Die Sonne im Zentrum, um sie herum kreisen die bekannten Planeten als Wandelsterne. Auch unsere Erde gehört dazu. Nicht in Kreisbahnen, sondern in Ellipsen erfolgen diese, der Sonne in einem der beiden Brennpunkte mitliegendem Mittelpunkt. Der Mond umkreist die Erde – auch bei anderen Planeten wurden Monde entdeckt: Zwei um den Mars, 69 um Jupiter und 62 um Saturn. Die nicht mehr vorhandene Vollkommenheit des Kreises und die Abkehr von der Idee als Zentrum des Universums bereiten der Kirche es des Mittelalters erhebliche Probleme. Dabei offenbaren sich im Laufe der nun einsetzenden naturwissenschaftlichen Erforschung des Sonnensystems die wahren Wunder!
Versuchen wir, einiges davon zu verstehen:
Die SONNE
Die Sonne ist ein mittelgroßer Stern. Sterne sind massereiche, selbstleuchtende Himmelskörper, vornehmlich aus Gas/Plasma. Sie werden durch die eigene Schwerkraft zusammengehalten und sind dadurch annähernd kugelförmig.
Obwohl etwa 70 % der uns bekannten Sterne Teil eines Doppel- oder Mehrfachsystems sind, ist unsere Sonne ein Einzelgänger. Welch ein Glück für uns! Sie ist nicht zu heiß, zu aktiv und leuchtet bemerkenswert gleichförmig. Ohne die Wärmestrahlung wäre auf der Erde kein Leben möglich. Schon im Mittelalter ahnte man, dass sie eher als ein glühender Stein» sein muss.
Die Sonne ist der einzige Stern, «auf dem» – von der Erde aus – deutliche Strukturen zu erkennen sind (Sonnenflecken, Eruptionen …) Alle anderen, mit freiem Auge erkennbaren Sterne sind Teil der Milchstraße und so weit entfernt, dass sie nur als Lichtpunkte wahrgenommen werden, die, bedingt durch unsere Atmosphäre, flackern. Dagegen sind am gesamten Himmel 2000–6000, in Stadtnähe nur 1000 erkennbar.
Der Anblick des Sternenhimmels täuscht über die Variationsbreite von Temperaturen hinweg, ebenso über Dichten und Entfernungen. Wetterbereiche, die man wahrlich als astronomisch bezeichnen kann:
Allein in unserem bescheidenen Sonnensystem sind die Größenverhältnisse gigantisch.
Wer kann sich wirklich vorstellen, dass die Sonne von der Erde 150 000 000 km entfernt ist? Erst Vergleiche machen dies einigermaßen begreifbar. Stellen wir uns folgendes Modell vor:
Die Sonne ist die glühende Kugel von 1 Meter Durchmesser. Das gesamte Sonnensystem würde so aussehen wie in der Grafik unten.
Die Entfernungen der Planeten vom Zentralgestirn sind also riesig, ebenso die Größenverhältnisse: Die Sonne beansprucht für sich etwa 99 % der Sonnensystem-Gesamtmasse, obwohl sie nur aus Gas, vornehmlich Wasserstoff und Helium, besteht.
Die gewaltige Gravitation bewirkt eine Kerntemperatur von über 15 Millionen Grad, die ausreicht, um eine beständige thermonukleare Reaktion in Gang zu halten:
Pro Sekunde werden ca. 700 Tonnen Wasserstoff in Helium umgewandelt, wobei es sich um eine Fusionsreaktion, vergleichbar einer gezähmten Wasserstoffbombe, handelt.
Mond
Unser «Erdmond» ist mit ¼ Erddurchmesser unverhältnismäßig groß und übt dementsprechend massiven Einfluss auf die Erde aus:
Gezielt: Zwei Drittel der dazu benötigten Energie stammen vom Mond, der Rest von der Sonne. Sogenannte Tidehöhe (Unterschied zwischen Hochwasserstand und unterstem Pegelstand, bis zu 12 m!) bringen die nötigen Turbulenzen zum stetigen Mineraltransport in die Weltmeere.
Stabilisation: Neigungswinkel von 23,5 Grad wird aufrechterhalten. Erde könnte ins Trudeln kommen. Die Rotationsgeschwindigkeit wird auf den 24h-Zyklus gebremst. Eine schnellere Rotation würde Dauerstürme mit 300–500 km/h hervorrufen. Die Plantentektonik, also die Bewegung der Kontinentalplatten auf dem flüssigen Magma, wird weitgehend stabilisiert.
Ein Einfluss auf Lebewesen (Pflanzenwachstum …) wird diskutiert, vielleicht esoterisch überbetont, ist aber sehr wahrscheinlich.
Ein optisch: Am Himmel erscheinen uns Sonne und Mond etwa gleich groß, sodass wir Sonnenfinsternisse in gewohnter Form beobachten können.
Quelle: Küffner Sternwarte
Damit steht Energie, vornehmlich in Form von Licht und Wärme, zur Verfügung, die auch auf die Planeten, in Relation zu deren Sonnenabstand, gestrahlt wird. Zu uns braucht diese Energie ca. 8 Minuten, obwohl sie mit Lichtgeschwindigkeit (300.000km/s) unterwegs ist.
Die damit entstehenden Effekte werden noch durch die Planetenrotation (Tag/Nacht-Zyklen) und die Neigung der Planetenachsen in Relation zur Umkreisebene modifiziert.
Auch bei anderen Planeten wurden Monde entdeckt: Zwei um den Mars, 69 um Jupiter und 62 um Saturn.
Merkur
Ein Jahr auf dem Merkur dauert 88 Tage, die Sonne erscheint 3 Mal so groß wie auf der Erde.
Infolge der langsamen Umdrehung schwanken die Oberflächentemperaturen zwischen +450 Grad/Tag und –173 Grad/ Nacht.
Venus
Ein Venusjahr dauert 225 Tage, die Rotation ist so langsam, dass es nur 2 Tage pro Jahr gibt.
Die mittlere Oberflächentemperatur von +460 Grad übertrumpft in Vergleich zum Merkur, da die Venus so viel weiter von der Sonne entfernt ist. Das ist dem hohen CO₂-Gehalt der Venusatmosphäre geschuldet, 96 % ermöglichen einen maximalen Treibhauseffekt!
Weiße Wolken aus Schwefelsäure machen den Planeten zusätzlich undurchsichtig, lassen ihn aber für uns Beobachter besonders beeindruckend erscheinen.(Morgen/ Abendstern)
Da die Venus als einziger Planet retrograd rotiert (die Sonne geht im Westen auf und im Osten unter), dient dies wohl als Begründung für die Metapher «Schöner, heller Abendstern» als Bezeichnung für Satan/Luzifer. Er ist es, der «geganfällig» agiert. Bemerkenswert ist diese Erkenntnis aus dem Alten Testament (Jesaja, 700 v.Chr), obwohl deren Bestätigung erst 1962 durch die Sonde «Mariner 2» erfolgte.
Erde
Die Erde ist wenig größer als die Venus. 1/40 000 000 ihres Umfangs ist unser Meter. Sie ist der einzige Planet unseres Sonnensystems, auf dem nachweislich Leben existieren kann. Die großen Unterschiede sind: Ozeane, die 70 % der Oberfläche bedecken, eine Atmosphäre, die uns Atemluft bietet, und die besondere Positionierung im Gesamtsystem (siehe unten).
Eine Sonnenumrundung (Jahr) dauert 365 Tage, 6 Stunden, 9 Minuten und 9,76 Sekunden. Gleichzeitig gibt es eine Drehung um die eigene Achse von 24h Dauer. Durch die Bremswirkung des Mondes werden die Tage unmerklich, aber messbar länger, gleichzeitig entfernt sich dieser pro Jahr um 4cm.
Die Jahreszeiten entstehen NICHT durch die elliptischen Bahnen, die unterschiedliche Entfernung von der Sonne. Sonnenächster Punkt: Anfang Jänner. Entferntester Anfang Juli. Beides eine Heizbetrachtung. Ein Jahreszeiten entstehen, weil die Erdachse um 23,5 Grad zur Bahnebene gekippt ist: Diese Schrägstellung der Nord-Süd-Halbkugel un vier Jahreszeiten. Jeweils entweder nur niedrige (Nord/Süd-) Halbkugel zur Sonne hin oder von ihr weg. In der einen Halbkugel entsteht das genaue Gegenteil. Dies ist gleichzeitig die Ursache für die unterschiedliche Länge der Tage. Gäbe es diese Schrägstellung nicht, wären Tag und Nacht immer gleich lang. Am Äquator tritt dieser Effekt auch tatsächlich auf. Im Gegensatz dazu ist es zur Zeit der Sonnenwende, nördlich des Polarkreises, 24h Tag (hell), am Südpol natürlich gegenteilsinnig dunkel.
Die Temperaturen auf der Erde sind moderat: max. +58 Grad in äquatornahen Wüstengegenden, min.: –88 Grad in der Antarktis. Durchschnitts-Lufttemperatur: +15 Grad.
Durch solche Verhältnisse wird gewährleistet, dass ein zig auf unserer Erde Wasser vor allem flüssig vorkommt. Neben Licht, Wärme und richtiger Atmosphäre ist die Erde nur dadurch bewohnbar.
Mars
Der Mars ist halb so klein wie die Erde. Er ist wegen des Fehlens von Wasser und sauerstoffhaltiger Luft und Durchschnittstemperaturen von –60 Grad unbewohnbar. Ein Mars-Jahr dauert 687 Tage, ein Tag 24,5 Stunden. Uns blieb für ferne Zeiten, der Mars als Erd-Alternative schmackhaft gemacht, aber Wunsch und Wirklichkeit scheinen unvereinbar.
Mit dem Mars ist der innere Kreis der Steinplaneten abgeschlossen. Es folgen die Gasriesen Jupiter und Saturn, die jedoch in unserem Sonnensystem besondere Aufgaben zu erfüllen haben. Davon später.
Das Leben auf unserer Erde
Die bisher aufgezeigten Fakten machen es höchst unwahrscheinlich, dass es Zufall ist, dass unser “blauer Planet” der Träger des Lebens innerhalb des Sonnensystems dasteht. In der Tat haben solche Überlegungen zur Postulierung einer sogenannten «Habitablen Zone» geführt.
Man versteht darunter jene enge Zone um einen Stern, in der Leben möglich ist, die einen Planeten also bewohnbar macht.
In unserem Sonnensystem liegt nur die Erde im Bereich. Venus und Mars nicht.
Neben den allgemeinen Besonderheiten unserer Erden-Eigenschaften, die der bewohnbaren Zone zusätzliche Aspekte eröffnen:
Ein Ozonschirm (Nobelpreis 1995) schützt in einer Höhe von 15 bis 30 km unsere Oberfläche und damit Lebewesen vor einer feindlichen UV-Strahlung.
Der Van Allen-Gürtel (entdeckt 1958) ist ein Ring energiereicher Teilchen aus dem Weltraum, die durch die magnetischen Eigenschaften unserer Erde eingefangen und festgehalten werden. Dieser Gürtel befindet sich in einer Höhe von 700–20.000 km. Wird er überladen (erhöhte Sonnenwinde…), streift er die Erdatmosphäre, wodurch die Polarlichter entstehen.
Die angesprochene Magnetosphere beruht auf Strömungsvorgängen im flüssigen Eisenkern des Erdmantels.
Die Zusammensetzung der Luft ist einzigartig: Stickstoff (78 %) als neutraler Hauptbestandteil, Sauerstoff (21 %) im ständigen Kreislauf mit Kohlendioxid (Assimilation der Pflanzen), der Rest sind Edelgase und Spurengase, davon zwei wesentliche, CO₂: 0,03 bis 0,04 %, verantwortlich für den gesamten Kohlenstoffkreislauf der alllebenwesen, aber auch bei höherer Konzentration für einen vergrößerten Treibhauseffekt.
H₂O-Dampf: 0,25 %, verantwortlich für alle Wasserkreisläufe (Verdunstung, Regen, stift Wasser…). also einen Duttell des Wettergeschehens.
Die großen Gasplaneten Jupiter und Saturn, aber auch die Eisriesen Uranus und Neptun schirmen durch ihre enorme Anziehungskraft die Umlaufbahnen der terrestrischen Planeten weitgehend vor gefährlichen Meteoriten ab.
Die Sonderrolle des Mondes wurde bereits oben behandelt.
Es scheint also gewiss, dass die Erde für das Leben im Allgemeinen und für das menschliche Leben im Besonderen maßgeschneidert ist.
Anmerkungen:
1. Der Mond würde in diesem Modell die Erde als 2 mm große Kugel in einer Entfernung von 20 cm umkreisen.
2. Im Kuipergürtel, jenseits des Neptun, befinden sich die Zwergplaneten (auch Pluto), aber auch geschätzte 70–100.000 kleinere Objekte, die immer wieder einmal einen Moment in unseren Sichtbereich entsenden.
3. In der O-Wolke vermutet man 100 Milliarden bis 1 Billion Objekte, die gewissermaßen dort «geparkt» sind. Da sie aber die Sonne umkreisen, gehören sie noch zum Sonnensystem.
„Eine Sonnen-umrundung (Jahr) dauert 365 Tage, 6 Stunden,9 Minuten und 9,76 Sekunden.“