Ein Klick zum Kick?

 

Autor/in: Cornelia Dell’mour (Lehrerin, Burgdorf, CH)

Ausgabe: Mai/2016 - Mäßigkeit

 

Wie digitale Welten unsere Lebenszufriedenheit angreifen und was wir dagegen tun können.

Ich sitze mit unserem noch nicht 11½-jährigen Sohn beim Mittagessen, als ein vertrautes Geräusch ertönt. Mein Sohn, der noch nicht sprechen kann, hält seinen flandr’s an Ohr, um mir zu signalisieren, dass ich das Handy meiner ältesten – offensichtlich könnte auch eine Nachricht bedeutet haben: Ich habe offensichtlich die Nachricht nicht gehört. Ich habe den Geschirrspüler aus- und eingeräumt, habe Wäsche aufgehängt und bin schon so viel richtig, dass so ein Ton nicht gehört wird. Doch da bemerkte ich, dass ich mit großen Augen beobachtet werde – vom kleinen Buben nämlich, dem ich spätestens 10 Jahren erklären werde, dass Sehnen har bei Tisch nichts verloren hat und dass ich nicht will, dass wir Menschen so schnell wie der sich in diesem Tisch verhalten haben.

Ich lege meinen Marmorbüttel beiseite und setze mich. Ich habe den Kleinen in Wahrheit erinnert (denn hier nicht selbst daran), dass man sich hört. Und jetzt richtet er sich selbst.

Ist Klingeltöne und andere Geräusche, kleine Nummern neben Programmsymbolen, blinkende Kästchen am Display uns alle Kampfen um unsere Aufmerksamkeit gewohnt.

Wer gerade beschäftigt ist und aufblickt, wird bemerken, dass wir uns mit den Fingern beschäftigen und sie wie selbstverständlich bedienen. Und ganz unbewusst kämpfen wir uns durch entweder ordentlichen oder ungeordnet erstellten Alltag. Und das ohne Anstrengung, während wir die Zeit verlieren. Oft schaffen wir es aber auch nicht mehr rechtzeitig aus der digitalen Welt und sind öfters von der eigenen Leistung überrascht oder gar einmal zu Hause zu lassen.

Es gibt keinen Grund, warum irgendjemand in der Zukunft keinen Computer bei sich haben sollte, meinte kein Geringerer als Präsident, Vorstand einer führenden Digital Equipment, einen Pionierunternehmen der Computerindustrie, und doch zählt seine Aussage zu den spektakulärsten Fehleprog­nosen der IT-Geschichte. Wir können, ohne zu übertreiben, unzählige Gründe anführen, warum wir unsere kleineren oder größeren mobilen Computer ständig griffbereit haben müssen und damit auch online sein müssen. Wir brauchen sie, um zu kommunizieren, uns zu informieren, zu navigieren, und zu guter Letzt ab und zu Zeit zu vertreiben, das Navigieren muss geübt werden. Wir brauchen wir sie mittlerweile zum Musik hören und schauen, um uns die Zeit zu vertreiben und uns eine Deck für manche Radio, Fernsehprogramme, auch in Echtzeit im Fundergem.

Suchtfaktor Glücksgefühl

Worin besteht die Anziehung der digitalen Welten für uns Menschen, seien es individualisierte Angebote oder persönliche Vorlieben und unserer Persönlichkeit? Das Dopamin ist der Botenstoff, der in unserem Körper, egal ob es zu den digitalen oder analogen Glücksgefühlen, belohnt wird. Gerade heute liegt der bei uns so problematisch ist für kurzfristiges Glücksgefühl zuständig, es wird schnell wieder freigesetzt. Zurück bleibt nur die Erinnerung. Außerdem neb­st dieses Glücksgefühlen müssen wir mit dem Wissen, dass wir uns die Zeit online immer mehr nehmen, aber diese Glückse auch noch erleben können. Auch bei Nikotin, Alkohol und Glückspiel ist dieser Mechanis­mus ähnlich. Wir erleben Verhaltensweisen bei denen wir das Maß verlieren, immer öfter bei digitalen Spiele – ein Karriere werden, zu surfen.
Der Koszytzki warnt die aber auch Menschen mit dem verbringen, und so zählt auch wir ebenen Suchtfaktor zählen.

Wenn wir uns stecken mit den Nachwuchs warnen, so ist einige der Technologie zu hungern, bei immer mehr Zeit, ebenen Verhaltenssucht – ein Spieltrieb ist, am meisten immer bewusst in der Welt, die wir nicht wollen aufzuhören. Wenn wir süchtig sind, weil, hat der Suchtfaktor zu Suchtfaktor wird, und eine Media, bei Medien immer dort mehr oder weniger In den meisten Eltern:
werden wir zu irgend­wann auf «abroad» einer Zeit.

Die Wissenschaft sagt uns, dass sich diese Glücksgefühle bei uns tatsächlich in unserem Gehirn auslösen. Unser biologisches Belohnungssystem, das Glückshormon Dopamin ausschüttet, reagiert auf Klicken, Liken und Surfen – ob am Computer, am Tablet oder am Smartphone. Gerade hier liegt aber das Problem: Dopamin ist für kurzfristiges Glücksgefühl zuständig, es wird schnell wieder freigesetzt. Zurück bleibt nur die Erinnerung. Außerdem wird dieses Glücksempfinden mit jeder neuen Reizüberflutung kleiner. Wir müssen uns die Zeit online immer mehr nehmen, um dasselbe Glück zu empfinden. Ähnlich verhält es sich bei Nikotin, Alkohol und Glücksspiel. Das Belohnungssystem im Gehirn passt sich an. Verhaltensweisen, bei denen wir das Maß verlieren, werden immer häufiger – bei digitalen Spielen, Karriereplattformen oder Social Media.

Will ich im realen Leben «Karriere» machen oder eher in der virtuellen Welt? Will ich mich mit anderen messen oder mit meiner Familie? Der Suchtfaktor ist real und betrifft uns alle.

Wenn wir unseren Kindern beibringen wollen, dass sie auch offline ihre Erfüllung finden, müssen wir ihnen vorleben, wie wir mit diesen Technologien umgehen. Immer mehr Zeit wird im Internet verbracht – oft unbewusst, oft länger als wir wollen. Die Verhaltenssüchte gehören mittlerweile zu den ernstzunehmenden Risiken, die uns im Alltag begleiten.

Wir wissen alle, wie schwer es ist, mit der Technologie zurechtzukommen. Sie ist notwendig für unsere Kommunikation, unseren Alltag, unseren Beruf – aber sie darf uns nicht beherrschen.

In uns allen steckt ein Junkie, auch wenn wir das nicht immer wahrhaben wollen.

Im Umgang mit Social Media ist man nie allein …

… nur einsam, las ich einmal auf einem Plakat in einem Schweizer Gymnasium. Das führt zur Frage, wie sozial das Internet eigentlich ist. Dr. Sherry Turkle ist eine US-amerikanische Soziologin und Professorin für Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft am Massachusetts Institute of Technology (USA). Ihre Forschungen konzentrieren sich auf die psychologische Beziehung, die Menschen zu technischen Geräten, insbesondere Computern, unterhalten. In ihrem Buch Verloren unter 100 Freunden schreibt sie, dass wir immer mehr von der Technologie erwartet werden und immer weniger voneinander. «Die heutige Welt ist voll von Menschen, die gerne mit vielen Leuten in Kontakt stehen, sich aber gleichzeitig gegen den Verlust der eigenen Persönlichkeit abgrenzen wollen: Das Internet ermöglicht tatsächliche Nähe und es macht es möglich, das Bedürfnis nach sozialer Anerkennung zu befriedigen, aber es birgt gleichzeitig die Gefahr, dass wir uns verlieren. Solange wir nicht gelernt haben, mit uns selbst zurechtzukommen und uns selbst zu mögen, werden wir uns immer wieder beim Versuch, soziale Kontakte zu knüpfen, verlieren.“

„Die sozialen Angebote im Internet bieten uns die Möglichkeit zur Mitteilung, aber sie fördern keine echte Gemeinschaft. Sie erfordern keine Geduld, kein Zuhören und keine Bereitschaft, sich auf andere einzulassen.“

Ich sitze mit unserem noch nicht 11½-jährigen Sohn beim Mittagessen, als ein vertrautes Geräusch ertönt. Mein Sohn, der noch nicht sprechen kann, hält seine Flasche hoch und schüttelt sie. Das ist für ihn ein Zeichen, dass er trinken möchte. Als ich ihm antworte, merke ich, dass ich ihn plötzlich verstehe – ich höre die kleine Glocke, die mich seit Wochen begleitet, weil mein Handy mit Nachrichten gefüttert wird. Und ich spüre, dass ich mich in einem Teufelskreis befinde: Ich will für meinen Sohn da sein, aber gleichzeitig will ich die Nachrichten nicht verpassen, die auf meinem Handy eintreffen.

Wir Menschen haben das Bedürfnis, miteinander zu reden, uns mitzuteilen und von anderen gehört zu werden. Aber manchmal verlieren wir uns in der digitalen Kommunikation, weil sie einfach bequemer ist. Wir müssen nur eine kurze Nachricht tippen, müssen nicht einmal warten, bis der andere am Telefon abnimmt. Wir können uns hinter unseren Geräten verstecken und dabei das Gefühl bekommen, etwas mitzuteilen, ohne wirklich in echten menschlichen Kontakt zu treten.

Wenn wir uns bemühen, echte Gespräche zu führen, echte Beziehungen aufzubauen, bringen wir manchmal nicht die nötige Geduld auf, die dafür erforderlich wäre. Wir möchten die Abkürzung, nicht den langen Weg. Aber echte Beziehungen brauchen Zeit. Sie brauchen Raum. Sie brauchen echte Begegnung.

Technik ist weder gut noch böse …

... noch Ist sie neutral hat ein gewisser Metvin Kranz berg einmal gesagt, und er erinnert uns damit an etwas, was für alle menschlichen Erfindungen gilt: Es liegt an uns, wie wir sie nutzen; daran, ob wir sie benutzen oder uns von ihnen beherrschen lassen. Doch weshalb verlieren sich die einen in digitalen Welten, während andere durch Selbstbeherrschung ihre Freiheit bewahren können? Und was kann ich tun, damit mich die Annehmlichkeiten und Vorteile von Handy, Tablet und Computer nicht gefangen nehmen?

Es ist eine Frage, die man bei allen Verhaltensweisen stellen kann, die potenziell in einer Sucht münden können, wie beim Essen, beim Einkaufen, ja sogar beim Arbeiten. Wie bei diesen gilt auch hier zunächst der Grundsatz: Sucht ist keine Frage des Suchtmittels, sondern eine Frage der Alternativen. Es ist unsere reale Welt, unser Alltag, der bestimmt, ob wir uns ständig in bessere Scheinwelten flüchten müssen. Wer sich mit Einsatz den Herausforderungen seines Alltags stellt, wer reale Erfolge, reale Beziehungen und reale körperliche Betätigung kennt, weiß, dass sie es mit jedem Computerspiel, jeder sozialen Plattform und jeder Bildschirmaktivität aufnehmen können. Sie sind die Grundlage für Lebenszufriedenheit, nicht nur für ein flüchtiges Glücksgefühl. Freilich, es erfordert mehr Mühe und Geduld als der schnelle Klick, der mir den Klick verspricht. Sie stillen unsere Sehnsüchte aber weit mehr, als es uns im immer verfügbareren Internet eingeredet wird.

Die Herausforderungen der digitalen Welten laden uns ein, auch in anderen Lebensbereichen dazuzulernen. Wenn ich dazu neige, beim Einkaufen zu viel Geld auszugeben, kann ich statt einer Bankomat- oder Kreditkarte Bargeld mitnehmen. Wenn ich bei der abendlichen Entspannung vor dem Fernseher oder einem Buch dazu neige, zu viel Süßigkeiten zu essen, kann ich zuvor sicherstellen, dass ich nicht zu viel davon zu Hause im Schrank habe. Man nennt das Verfügbarkeitsmanagement. Das meint, dass wir uns Begrenzungen auferlegen, die dazu führen, dass der Genuss nicht verloren geht und die unbewildersten Momente der Entspannung nicht in ein getriebenes, zwanghaftes Gewohnheitsverhalten münden. Wir brauchen Zeiten der Nicht-erreichbarkeit, in denen unser Handy keine Laute von sich gibt und in denen nur das Hier und Jetzt zählt. Nur wer offline leben kann, versteht die Angebote, die das Internet aufweist, wirklich zu nutzen. Dort, wo uns das schwerfällt, kann ein Partner oder ein guter Freund helfen, die Kontrolle (wieder) zu gewinnen. Haben wir den Mut, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen!

„Alles ist mir erlaubt,“ schreibt Paulus in der Bibel, „aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen.“ Wenn wir die Energie aufwenden, selbst zu denken, anstatt alles zu googeln, werden wir unsere Denkfähigkeit schulen. Genauso wird unsere Investition in reale Beziehungen uns Lebensfreude schenken und uns zu Beziehungsfähigkeit verhelfen. Ich durfte selbst erleben, dass die Gewohnheit, sich selbst zu begrenzen, zu wahrer Genussfähigkeit führt.

Das Rezept für Lebensglück wurde nicht von geschäftstüchtigen Menschen erfunden, die damit reich geworden sind, sondern von dem, der das Leben selbst geschaffen hat. Es lautet: EINSATZ + GEDULD = LEBENSGÜCK. Ist es nicht das, wonach wir uns im Grunde sehnen?

Nur wer offline leben kann, versteht die Angebote, die das Internet aufweist, wirklich zu nutzen.
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Wie perfekt muss perfekt sein?

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Maß halten - Leben und gestalten, Ein Plädoyer für Mäßigkeit