Wasser - unseres Planeten kostbarstes Gut

 

Autor/in: MICHAEL F. SCHROTH (Beratung & Publizistik, Studen, CH)

Ausgabe: Leben und Gesundheit, März/2016 - Wasser

 

Lebenselixier

Wenn man von kostbar spricht, könnte man meinen, die Rede sei von Kunstwerken, seltenen Edelsteinen, von Gold oder Erdölreserven. Eigentlich merkwürdig, welchen Dingen wir als Menschen eine hervorragende und erstrebenswerte Bedeutung beimessen. Kann der Mensch ohne Gold und Silber überleben? Aber Wasser, dieses unspektakuläre Medium, das wir täglich in unterschiedlichster Form benutzen und auch sehr oft unüberlegt verschwenden, sichert im Wesentlichen unsere Existenz und damit das Überleben. Diese chemische Verbindung aus Wasserstoff und Sauerstoff ist im wahrsten Sinn des Wortes unser Lebenselixier. Ohne Wasser ist Leben unmöglich. Wir Menschen selber bestehen zu siebzig Prozent daraus.

Einfach genial

Die molekulare Struktur verleiht dem Wasser seine besondere Eigenschaft. Zusammengesetzt aus zwei Wasserstoff- und einem Sauerstoffatom, ergibt sich aus H₂O ein ideales Lösungsmittel. Wasser ist der einzige Stoff auf der Erde, der in allen drei Aggregatzuständen vorkommt – als Flüssigkeit, als Gas und als Eis.

Die meisten festen, flüssigen und gasförmigen Stoffe können im Wasser aufgenommen werden. Das ist insbesondere für den Nährstoffhaushalt bedeutsam, aber auch für die Versorgung mit Sauerstoff, den die Wasser­tiere zum Atmen benötigen. Wasser ist am schwersten bei 4 Grad Celsius, die Moleküle rücken dann am engsten zusammen. Eis dagegen dehnt sich aus und braucht mehr Platz. Deshalb bersten geschlossene Wasserflaschen oder Wasserleitungen, wenn das Wasser darin gefriert. Es ist wegen der Volumenausdehnung leichter als flüssiges Wasser. Diese Eigenschaft ist für Wasserlebewesen zentral. Die leichte Eisschicht schwimmt an der Oberfläche des Sees, während darunter die Lebensräume in Seen und Weihern erhalten bleiben.

Wasser, immer in Bewegung

Es wird durch die energiereiche Sonneneinstrahlung auf die Erde, die geringere Wärmeabstrahlung des Wassers gegenüber dem Land und durch die Erdrotation angetrieben.

Der globale Wasserkreislauf wird durch Verdunstung, Kondensation und Niederschläge angetrieben. Auf dem Festland wird der Wasserzufluss durch den unter- und oberirdischen Abfluss, die Rücklage in Bodenfeuchte, Flüssen und Seen sowie durch den Verbrauch in Organismen und Mineralien ergänzt. Nur 0,77 Prozent des Gesamtwassers nehmen am Wasserkreislauf teil. Der große Rest bleibt in den Reservoiren, den Ozeanen und Eiskappen, gebunden.

Der Wasserkreislauf regelt den Energiehaushalt der Erde. Wärmeenergie wird durch Was-sermoleküle von den intensiv sonnenbestrahlten Zonen in die höheren geografischen Breiten verfrachtet. Mit dem Wasser werden auch gelöste Stoffe oder kleine feste Feinpartikel transportiert.

Tag des Wassers

Seit 23 Jahren ist der 22. März der «Internationale Tag des Wassers». Das beschloss seinerzeit die Generalversammlung der Vereinten Nationen, um auf die weltweite Bedeutung der Erschließung von Wasservorkommen hinzuweisen. Sie ist für den wirtschaftlichen und sozialen Wohlstand enorm wichtig. Da erst Wasser Leben ermöglicht, kommt der Entwicklung von Quellen, dem Erhalt bestehender Vorkommen und dem Schutz vor Verunreinigung größte Bedeutung zu. Mehr als eine Milliarde Menschen haben weltweit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, mehr als doppelt so viele müssen ohne sanitäre Grundversorgung auskommen. Darum wird heute der Zugang zu sauberem Wasser als ein elementares Menschenrecht definiert.

Man geht davon aus, dass in den Entwicklungsländern der Mangel an reinem Wasser in rund 80 % der Fälle zu Krankheit und Tod beiträgt. Die Vereinten Nationen beziffern die Zahl der Todesfälle durch verschmutztes Trinkwasser auf etwa vier Millionen. Umgerechnet bedeutet das jeden Tag zehntausend Tote, davon fast vierstausend Kinder. Eine furchtbar bedrückende Zahl – und dies in unserer «fortschrittlichen» und hochtechnisierten Welt. Der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan erklärte, dass sich in den Entwicklungsländern durch nichts besser Krankheiten bekämpfen ließen und Leben gerettet werden könnte als durch sauberes Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen.

Wir können zwar kein kostbares Wasser in die Welt verschicken, aber im Rahmen unserer Möglichkeiten helfen und selbst beim Wasserverbrauch Verantwortung üben.

Wasserknappheit kontra Luxus pur

Gemäß UNO herrscht heute bereits in 80 Ländern Wasserknappheit. Die Zahl der betroffenen Menschen nimmt zu und wird nach Angaben der Vereinten Nationen bis 2030 auf 5,4 Milliarden steigen. Das ist eine riesige Herausforderung. Ist uns das bewusst? Jederzeit verfügbares Wasser in guter Qualität halten wir für eine Selbstverständlichkeit. Anders als in südlichen Ferienländern können wir das Wasser direkt «aus der Leitung» trinken; und das, ohne krank zu werden. Teilweise waschen wir sogar unsere Autos mit Trinkwasser. Ein unglaublicher Luxus.

Jeder, der schon in einem Wüstenland unterwegs war oder eine Oase gesehen hat, konnte feststellen, wie wichtig und kostbar Wasser ist. Alles dreht sich um den Brunnen oder die Quelle. Oft wird das «kostbare Nass» per Holzröhren zu den Pflanzen geleitet. Wo Wasser ist, da ist Leben. Wer schon einmal im Flugzeug über Ägypten saß und hinabschaute, sah kaum deutlicher als dort, was Wasser bedeutet. Der Nil ist im wahrsten Sinn des Wortes die sichtbare Lebensader des Landes.

Und was ist mit uns?

Wir können zwar kein kostbares Wasser in die Welt verschicken, aber im Rahmen unserer Möglichkeiten helfen und selbst beim Wasserverbrauch Verantwortung üben.

Es gibt Aktionen für Brunnenbohrung in Entwicklungsländern, deren Wichtigkeit nicht zu unterschätzen ist. Ein persönlicher Spendenbeitrag hilft viel und rettet Leben. Ein Brunnen kostet, je nach Bodenbeschaffenheit und örtlichen Gegebenheiten, zwischen 2.500 und 20.000 Schweizer Franken. Eine Reihe von Organisationen ist in diesem Bereich seit langer Zeit rund um die Welt tätig.

Wenn man sich verdeutlicht, dass sauberes Wasser tatsächlich kostbar ist, auch wenn wir das in einem gut funktionierenden westlichen Land oft nicht so empfinden, sollten wir mit Dankbarkeit, Zurückhaltung und Verstand damit umgehen.

Der blaue Planet

  • 71 % der Erde sind mit Wasser bedeckt,

  • 97,5 % davon sind Salzwasser,

  • von den restlichen 2,5 % sind 2,2 % in Gletschern, Schnee, Dauerfrostboden und Sumpfwasser gebunden,

  • nur 0,3 % sind Süßwasser!


Wenn man sich verdeutlicht, dass sauberes Wasser tatsächlich kostbar ist, auch wenn wir das in einem gut funktionierenden westlichen Land oft nicht so empfinden, sollten wir mit Dankbarkeit, Zurückhaltung und Verstand damit umgehen.
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